Familiengeschichten

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Philipp und seine Tochter

Philipp hatte eigentlich alles richtig gemacht. Bereits in der Schule wusste er, dass er Marion eines Tages heiraten würde, und dass sie Kinder haben würden. Beide haben ihr Abitur gemacht und studiert, er wurde von der Computerfirma, bei der er sein Diplom gemacht hatte, übernommen. Marion wollte sich mit einer Galerie für moderne Kunst selbstständig machen. Als Marion schwanger wurde, war ihr Glück perfekt. Die gesamte Schwangerschaft über plante sie das perfekte Kinderzimmer.

Nach Victorias Geburt veränderte Marion sich sehr stark. Sie entwickelte eine Wochenbettdepression, von der sie sich nicht wieder erholte. Obwohl Philipp sie zu einer Therapie drängte, wurde sie immer antriebsloser und trauriger, sodass er bald nicht mehr wagte, sie mit Vicky allein zu lassen, und eine Tagesmutter suchen musste. Vor einem halben Jahr rief ihn die Tagesmutter an und informierte ihn, dass Marion verschwunden war. Philipp rief sofort die Polizei, fuhr aus der Firma und begann, sie zu suchen, jedoch erfolglos. Am Abend überbrachte die Polizei ihm die Nachricht, dass sie vor einen Pendlerzug gesprungen war.

Philipp macht sich immer noch Vorwürfe deswegen. Er glaubt, dass er nicht genug für Marion getan hat, und dass ihr Tod seine Schuld ist. Gleichzeitig ist er wütend auf sie, weil sie ihn und Vicky allein gelassen hat. Zum Glück ist Vicky noch zu klein, um zu verstehen, was mit ihrer Mutter passiert ist, aber er hat jetzt schon Angst davor, es ihr irgendwann erklären zu müssen. Er denkt, dass seine Tochter eine Mutter braucht, kann sich jedoch nicht überwinden, nach einer neuen Partnerin Ausschau zu halten. Zum Glück verdient er bei der Computerfirma genug Geld, um sowohl eine Tagesmutter als auch eine Haushaltshilfe bezahlen zu können. Seine Tochter, der liebste Mensch auf der Welt für ihn, ist alles, was ihm von Marion geblieben ist. Sie haben ein sehr inniges Verhältnis, und er freut sich jeden Abend darauf, nach Hause zu kommen, mit Vicky zu Abend zu essen und ihr von seinem Tag zu erzählen. Seine Tochter, die jetzt drei Jahre alt ist, erlebt am Tag viele fantastische Geschichten, die sie später in ein Buch schreiben will, wenn sie groß ist. Gerne würde er mehr Zeit für sie haben und so lange sie klein ist, nur 30 h arbeiten, Aber seine Firma will keine Teilzeitstellen einrichten. Er kann froh sein, im Notfall stundenweise auch im Homeoffice arbeiten zu dürfen.