Familiengeschichten

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Christine und ihre beiden Kinder

Christine lebt allein mit ihren beiden Kindern Mandy (3) und Michael (5) (es muss englisch ausgesprochen werden). Ihr Mann hat sie verlassen, als Mandy noch ein Baby war, und zahlt keinen Unterhalt. Christine arbeitet halbtags bei einer Möbelkette, wird allerdings als Leiharbeiterin so schlecht bezahlt, dass sie zusätzlich Geld vom Amt bekommen muss. In dem Dorf, in dem sie leben, gibt es nur einen Halbtagskindergarten, und Christines Arbeitsstelle ist eine halbe Stunde Busfahrt entfernt. Wenn sie einmal einen Bus verpasst, ist das ein großes Problem, weil die Busse nur einmal in der Stunde fahren und niemand da ist, der auf die Kinder aufpassen kann, wenn sie aus dem Kindergarten kommen. Sie möchte nicht immer Nachbarinnen anrufen müssen und damit die nachbarliche Gemeinschaft strapazieren.

Michael hat seit einiger Zeit einen eigenen Schlüssel. Er findet, da er nächstes Jahr in die Schule kommt, ist er groß genug, um allein zum Kindergarten und nach Hause zu gehen und auf seine kleine Schwester aufzupassen. Christine ist zwar eigentlich nicht dieser Meinung, hat manchmal aber keine Alternative und ist hin- und hergerissen zwischen der Sorge, ihm zu viel zuzumuten, und Stolz auf ihren großen, selbstständigen Jungen. Michael passt auch gut auf, dass seine Schwester immer ihr Schnuffeltuch dabei hat, ohne dass sie immer weint.

Christine würde gern mehr mit ihren Kindern unternehmen, kann ihnen jedoch noch nicht einmal die Busfahrt in die Stadt bezahlen. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie trotz ihrer Arbeit ihren Kindern nur das Nötigste finanzieren kann. Manchmal, wenn sie nicht schlafen kann, wünscht sie sich eine Grundsicherung für Kinder, oder dass der Unterhalt dem Vater direkt vom Lohn abgezogen wird, sodass sie nicht ständig darum betteln oder klagen muss. Sie würde sich gern weiterbilden, um einen besseren Beruf ergreifen zu können und mehr Geld für ihre Kinder und sich verdienen zu können. Das Amt bezahlt ihr allerdings noch nicht einmal einen Volkshochschulkurs. Was sie sich am sehnlichsten wünscht ist ein Computer, damit ihre Kinder gleich damit aufwachsen können. Sie kann sich aber keinen leisten und weiß auch gar nicht so richtig, wie sie damit umgehen würde, wenn sie einen hätte. Durch ihr eng getaktetes Programm hat sie keine Zeit, Kontakt zu anderen jungen Frauen aufzunehmen und zu halten, das vermisst sie am meisten. Lebte ihre Mutter nicht im Nachbardorf und käme trotz eigener Familie nach der Arbeit ab und zu vorbei, wäre Christine nicht nur sehr arm, sondern auch sehr einsam.